you made a capital mistake, go back to idee

Montmartre am Spittelberg
DO 29.Oktober 2009, 19:00 Uhr


The Jazz Age (1920 - 1929)
Ein vergnüglicher, überraschender & kulinarischer-interkultureller Abend im "1070" für Feinschmecker, Neugierige, Interssierte, Franko- und Nichtfrankophile.

nach einer Idee von mathias rüegg

Nachdem Wien dieses Jahr (berechtigterweise) zur Stadt mit der weltweit höchsten Lebensqualität erkoren wurde, wollen wir das zum Anlass nehmen, dieser hohen Vorgabe auch weiterhin gerecht zu werden. In dieser Stadt also, die neben Paris als die Wiege der Moderne, zu Beginn des 20. Jahrhunderts gilt. Wien war zu der Zeit zwar das Zentrum Europas, doch Paris das Zentrum der Welt. Deshalb kamen zu Beginn der 20er Jahre (und auch schon vorher) zu den bereits zahlreich ansässigen Künstlern aus der ganzen Welt, vor allem viele Amerikaner, die es sich wegen des hohen Dollarkurses spielend leisten konnten, an die Metropole an der Seine.

Es sollte das wohl rauschendste Fest werden, das Europa je gesehen hatte. Neun Jahre lang, bis zum Donnerstag, den 24. Oktober 1929 (Börsencrash), als die Party jäh beendet wurde und innerhalb einer Woche beinahe alle der 300.000 Amerikaner wieder zurückreisen mussten. Ab dann wurde es, wie wir wissen, in Europa weniger lustig, und bis zur nächsten, allerdings etwas weniger eleganten & kreativen Party am 15. August 1968 (Woodstock), sollten noch einige Jahrzehnte vergehen.

In Wien bestimmten Künstler wie Schiele, Klimt, Kokoschka, Kubin, Schnitzler, Musil, Kraus, Wittgenstein, Wagner, Olbrich, Hoffmann, Loos, Mahler, Berg, Schönberg, Webern oder Freud die Entstehung der Moderne auf eher düstere Art und Weise, indem sie sich gegen die sich auflösende Monarchie auflehnten. Umgeben von einer auf Konvention bedachten und unterwürfigen Gesellschaft. Die Einflüsse der Nachbarländer aus dem Osten dürften diese „destruktive Melancholie“ noch verstärkt haben. Ganz anders in Paris. Hier trafen Künstler aus aller Welt zusammen, vor allem in den Vierteln Montparnasse und Montmartre, wo zum ersten Mal in der Geschichte u. a. die Kultur der Afroamerikaner entdeckt und verehrt wurde. So entstanden bereits erste Formen von Worldmusic und Worldculture, zwei Begriffe, die die heutige Zeit mehr als alles andere prägen. Daneben blühten die Cabarets und die erotische Kultur, die Paris zu einem Mekka aller damaligen Hedonisten machten, das heutzutage 70 Mio. Touristen jährlich (zu überhöhten Preisen) vergeblich suchen.

In dem wunderbaren Roman Sacre du Printemps des kubanischen Schriftstellers Alejo Carpentier kann man Zeuge dieser unglaublichen kulturellen Vielfalt und Lebendigkeit werden. Und immer wieder von Neuem staunen, wer zu dieser Zeit neben den hier „Eingeladenen“ u.a. noch alles in Paris war: die Schriftsteller Philippe Soupault, André Gide, Marcel Prévost, Robert Desnos, Paul Éluard, Louis Aragon, André Malraux, Georges Bataille, Jacques Prévert, Paul Bowles, Ezra Pound, Thornton Wilder, T. S. Eliot, F. Scott Fitzgerald, Ferdinand Ramuz, Tristan Tzara, die Bildenden Künstler Max Ernst, Salvador Dalí, Marqués de Púbol, Henri Matisse, Marc Chagall, Fernand Léger, Francis Picabia, Robert Delaunay, Jean Arp, Wassily Kandinsky, Le Corbusier, Juan Gris, Marcel Duchamp, Georges Braque, René Magritte, Paul Klee und die Komponisten Georges Auric, Darius Milhaud, Arthur Honegger, Francis Poulenc, Ernest Ansermet oder Maurice Ravel.

Und alle sie lebten als Bohémiens, Außenseiter und Verrückte, von der Gesellschaft kaum oder gar nicht wahr genommen. Heute stellen ihre Werke einen mehrfachen Milliardenwert dar, und viele von ihnen sind als ganz große Künstler in das gesellschaftliche Bewusstsein gedrungen. Einige davon kommen also virtuell am 29. Oktober nach Wien zu Besuch ins 1070. Oder anders gesagt, das 1070 verwandelt sich für einige Stunden in eines der magischen Pariser Lokale aus der Zeit, wie z.B. das Deux Magots, Chat Noir, Coupole, Rotonde oder Café de Flore (die man heute allerdings besser alle meidet).

Und zu diesem hoffentlich unvergesslichen Abend sind Sie herzlich eingeladen. Buchen Sie rechtzeitig, jeweils unter dem Namen des Künstlers, bzw. der Künstlerin, es gibt nur 26 Plätze. Dieser Abend wird NICHT wiederholt, nicht aufgezeichnet und wird auch nicht auf YOUTUBE zu sehen sein. Es soll ein einmaliges Erlebnis sein, ganz im dadaistischen, surrealistischen Sinne. Absichtslos, einfach nur so. Als Geschenk an Dagmars liebevolles Lokal 1070, Teil der heutigen Wiener Lebensqualität.

Ihr mathias rüegg



Ps: Vielleicht sollten sie den zahlreichen Überraschungskünstlern ein wenig Platz machen. Und es könnte schon sein, dass Sie von den zwei KellnerInnen mit dem Namen des Künstlers angesprochen und in ein heiteres Gespräch verwickelt werden. Und einen recht herzlichen Dank an all die Haupt- und Nebendarsteller, speziell an Anna Wulz, die alle ehrenamtlich mitarbeiten!

Einen Teil der Musik, die an diesem Abend ab Band läuft, finden sie hier: Das achtgängige Menu nach Rezepten von Pablo Picasso und Alice B. Toklas, der Lebensgefährtin von Gertrude Stein, finden Sie hier:

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